Nach ihrem starken zweiten Platz im Einzelstart über 10 Kilometer trat Anja am darauffolgenden Tag in der Verfolgung über die gleiche Distanz an. Die Startabstände basierten dabei auf den Ergebnissen des Vortages sowie der individuellen Klassifizierung der Athletinnen. Anja ging als Führende in die vier Runden, dicht gefolgt von der Koreanerin Kim und der Brasilianerin dos Santos Rocha, während die Favoritin Oksana Masters aus den USA das Rennen gemeinsam mit den weniger gehandicapten Starterinnen als Letzte aufnahm.
Obwohl Anja die Führung in der ersten Runde zunächst hielt, musste sie Kim nach dem ersten Stadiondurchlauf ziehen lassen. Die folgenden zwei Runden entwickelten sich zu einem packenden Zweikampf mit dos Santos Rocha. Die Brasilianerin überholte Anja zwar in der zweiten Runde, konnte sich jedoch nie entscheidend absetzen. In der finalen Runde kämpfte sich Anja am letzten Anstieg wieder heran und ließ ihre Konkurrentin am Berg schließlich hinter sich. Während Kim den Sieg einfuhr, gelang es Masters noch, Anja und dos Santos Rocha zu überholen, sodass Anja als hervorragende Dritte die Ziellinie überquerte.
„Es war ein sehr hartes Rennen,“ sagte die Stuttgarterin hinterher. „Vor allem der Zweikampf mit Aline hat aber Spaß gemacht. Zum Glück war der Rückstand auf sie nie so groß, dass es nicht die Möglichkeit gab, wieder aufzuholen. Allerding musste ich dafür auf dem letzten Flachstück vor dem Berg alles reinhauen, war dann an ihr dran und konnte im Anschluss meine Kletterqualitäten ausspielen. Das ist gut gelungen und daher freue ich mich riesig über diesen dritten Platz. Jetzt heißt es regenerieren, am freien Tag locker zu trainieren und am Samstag beim Sprint nochmal alles reinzulegen.“
Der anschließende Sprinttag bot vor einer gut gefüllten Zuschauerkulisse in Finsterau eine ganz besondere Atmosphäre. Bei strahlendem Sonnenschein und Temperaturen um den Gefrierpunkt beendete Anja die Qualifikation als Zweite und sicherte sich im Halbfinale souverän den Sieg. Im Finale traf sie auf die versammelte Weltelite aus den USA, China und Russland. Als Läuferin mit dem größten Handicap ging Anja zuerst auf die Strecke und führte das Feld unter dem Jubel der Zuschauer aus dem Stadion hinaus und den Berg hinauf an. Erst in der vorletzten Kurve musste sie Oksana Masters vorbeiziehen lassen, rettete jedoch einen Vorsprung von 50 Metern auf die Chinesin Wang ins Ziel und gewann Silber.
Sichtlich bewegt kommentierte Anja ihren Erfolg: „Mit drei Medaillen in drei Rennen hätte ich nie im Leben gerechnet. Bei dem Starterfeld, die gesamte Weltelite ohne Ausnahme anwesend, habe ich im Langlauf zwar Chancen auf einen Podestplatz, aber gleich drei, das ist schon unglaublich. Mir kommt in Finsterau natürlich zugute, dass die Strecken eher schwer sind und wenig lange Gleitpassagen haben. Es gibt auch im Grunde keine lange gerade Abfahrt, wo ich eigentlich immer viel Zeit verliere. Das ist einfach mein Gelände. Ein großes Kompliment geht an die Organisatoren, die mit viel Herzblut alles nur erdenkliche tun, um für alle bestmögliche Bedingungen zu schaffen.“
Den Abschluss des Wochenendes bildete die Mixed-Staffel am Sonntag, bei der Anja gemeinsam mit Alexander Ehler, Johanna Recktenwald (Guide: Emily Weiss) und Marco Maier für das Team „Germany 2“ startete. In einem starken Feld von 15 Staffeln belegte das deutsche Quartett den vierten Platz hinter den Teams aus Russland, China und der Ukraine. Für Anja geht die Reise nun direkt weiter nach Polen, wo in Szklarska Poreba-Jakuszyce drei Rennen auf dem Weltcup-Programm stehen.
Alle Infos zu Anja Wicker findet ihr auf ihrer Homepage.
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Infos auch auf der Seite des drs.org
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https://www.nordski.de
https://www.biathlonworld.com/inside-ibu/para-biathlon