Neue Strecken und ein neuer Schießstand erforderten zunächst eine gründliche Erkundung, doch für Anja Wicker vom MTV Stuttgart verlief der Auftakt im Sprint am Schießstand zunächst unglücklich.
„Ich habe mich beim Anschlag mit dem Stock im Boden verhakt und habe das nicht mehr in den Griff bekommen. Beim ersten von drei Fehlschüssen war es gut, dass kein Vogel im Tiefflug vorbeikam, der wäre gefährdet gewesen“,
gab sie später rückblickend zu Protokoll. Da das Rennen nach drei Fehlern im Sprint quasi gelaufen war, konzentrierte sie sich darauf, beim zweiten Schießen fehlerfrei zu bleiben. Dies gelang ihr, und sie sicherte sich trotz der anfänglichen Schwierigkeiten den vierten Platz.
In der Vorbereitung auf die Verfolgung suchte Anja nach Lösungen für das Materialproblem:
„Ich habe mir überlegt, bei der Verfolgung den rechten Stock auszuziehen, weil ich ständig mit ihm hängen bleibe. Das kostet zwar Zeit, aber Fehler schießen eben auch. Ich werde das beim Training ausprobieren.“
In der Qualifikation für die Verfolgung zwei Tage später blieb der Stock dann doch an der Hand, stattdessen wurde der Bereich vor der Schießmatte von Eis und Schnee befreit. Diese Maßnahme fruchtete: Mit zweimal null Fehlern und einer starken Laufleistung siegte sie in der Qualifikation.
In das eigentliche Verfolgungsrennen startete Anja als Gejagte mit einem Vorsprung von 30 Sekunden.
Doch am Schießstand kehrten die Probleme zurück: „Ich hatte wieder Probleme mit dem Stock, was natürlich keine gute Voraussetzung ist, um alles zu treffen. Prompt habe ich mich vor dem fünften Schuss verhakt und deshalb nicht sauber repetiert. Nach den Regeln der IBU muss man dann die Hand heben, damit der Verantwortliche am Schießstand kontrollieren kann, was vor sich geht. Eigentlich musste ich nur ein neues Magazin einführen und den fünften Schuss abgeben. Das kostet mich ohne Kontrolle vielleicht fünf Sekunden. Mit Aufsicht waren es rund 30 Sekunden – und weg war mein Vorsprung. Wenigsten habe ich den einen dann auch noch getroffen“
, erklärte die 34-Jährige. Trotz einer schnellen Aufholjagd auf der Strecke und einem spannenden Finish belegte sie am Ende mit drei Sekunden Rückstand auf die US-Amerikanerin Gretsch erneut den vierten Platz.
Ihr humorloses Fazit: „Der Schießstand und ich werden wohl keine dicken Freunde mehr.“
Am Sonntag stand mit dem Einzel über 12,5 Kilometer das letzte Biathlon-Weltcuprennen der Saison an. Da Anja als fleißige Punktesammlerin alle bisherigen Rennen bestritten hatte, lag der Gewinn des Gesamtweltcups in greifbarer Nähe. Trotz müder Arme startete sie hochmotiviert. Auch diesmal entschied sie sich gegen das Ausziehen des Stocks und ließ stattdessen erneut den Bereich vor der Schießbahn freischaufeln. Die Taktik ging auf: Sie traf 18 von 20 Schüssen und sicherte sich mit Platz drei hinter den US-Amerikanerinnen Masters und Gretsch den Sieg im Gesamtweltcup.
Die Freude über diesen Meilenstein war groß: „Den Gesamtweltcup zu gewinnen ist für mich immer eine große Sache, schließlich spiegelt dieser Erfolg eine ganze Saison wider. Ich freue mich riesig darüber, weiß aber auch, dass ich noch eine Menge Arbeit vor mir habe. Vor allem mein sehr abwechslungsreiches Schießen schmeckt mir gar nicht. Ich hätte es gerne schön langweilig und konstant sicher.“
Anja wird die verbleibenden Langlaufrennen in Polen auslassen. Nach einer kurzen Pause in der Heimat stehen für sie das Höhentraining in der Schweiz sowie die Olympiavorbereitung im italienischen Toblach auf dem Programm.
Alle Infos zu Anja Wicker findet ihr auf ihrer Homepage.
Alle News seht ihr auf Anja's Instagram Account.
Infos auch auf der Seite des drs.org
Weitere Informationen:
https://www.nordski.de
https://www.biathlonworld.com/inside-ibu/para-biathlon