Der MTV Stuttgart stand am Samstag vor einem Härtetest der besonderen Art. Beim USC Heidelberg wartete nicht nur das formstärkste Team der Liga, sondern ein Standort, der sich langfristig zu einem der führenden Zentren im deutschen Frauenbasketball entwickeln möchte. Olympiastützpunkt, professionelles Umfeld – die Rahmenbedingungen könnten kaum besser sein. Entsprechend klar war die Erwartungshaltung: Für Heidelberg sind die Playoffs Pflicht, für Stuttgart wären sie ein Coup. Was auf dem Papier wie eine Mammutaufgabe wirkte, entwickelte sich am Samstagabend zu einer der reifsten Saisonleistungen der Stuttgarterinnen.
Der Start verlief jedoch holprig. Nervosität, fehlende Disziplin und zugelassene Offensivrebounds brachten Heidelberg früh Vorteile. „Wir waren im ersten Viertel nicht da, haben einfache Dinge nicht gut gemacht“, analysierte Headcoach Cyril DaSilva später nüchtern. Hinzu kamen vergebene einfache Korbleger und Probleme im Umschaltspiel, sodass die Gastgeberinnen zunächst die Kontrolle übernahm.
Im zweiten Viertel stabilisierte sich Stuttgart deutlich. Mit mehr Intensität und besserer Spielanlage kämpfte sich der MTV zurück. Zur Pause war damit klar: Das Spiel war offen – und das junge Team des MTV glaubte an die Siegchance. „Vor dem Spiel war uns eines wichtig“, so DaSilva. „Egal wie das Ergebnis ist, wir wollten am Ende stolz auf uns sein.“
Diese Haltung zeigte sich nach dem Seitenwechsel. Mit aggressiver Ganzfeldpresse nahm Stuttgart den amerikanischen Guards der BasCats zunehmend den Rhythmus. Kelly Moten und Jayla Oden, zuvor prägend, kamen in der zweiten Hälfte zusammen nur noch auf magere drei Punkte. Heidelberg fand insgesamt kaum noch Lösungen gegen die kompakte MTV-Defense.
Im Schlussviertel kippte die Partie endgültig. Stuttgart übernahm das Momentum, zog zwischenzeitlich auf 15 Punkte davon und spielte den Sieg abgeklärt nach Hause.
Offensiv wuchs Joanna Scheu über sich hinaus. Die Aufbauspielerin spielte laut DaSilva „ihr bestes Spiel bis dato“. Scheu führte ihr Team mit 25 Punkten, zog immer wieder konsequent zum Korb, holte zehn Freiwürfe, verteilte 5 Assists und band ihre Mitspielerinnen klug ein.
Besonders überzeugend präsentierte sich das Kollektiv: Lilith Maitra gab dem Spiel viel auf beiden Seiten Stabilität, Louisa Groth und Salma El-Haiwan setzten defensiv wichtige Akzente. Unter den Körben behaupteten sich Lola Stamenkovic und Verena Soltau mit viel Präsenz und Einsatz.
„Super Teamleistung. Wir sind ohne Druck ins Spiel gegangen, hatten einfach Spaß – und haben das auch gezeigt. Ich bin stolz auf unser Team“, sagte Scheu nach der Partie.
Headcoach Cyril DaSilva brachte es auf den Punkt: „Dieser Sieg ist ein Statement, der für unseren Teamgeist und unsere Mission für die Entwicklung von jungen Spielerinnen steht. Wir haben gezeigt, dass ein junges, entwicklungsfähiges Team gegen jedes Team der Liga bestehen kann - und das sogar ohne Chanell Williams.
„Die MTV-Philosophie geht dabei weit über kurzfristige Tabellenplätze hinaus. Lou’s Foodtruck MTV Stuttgart verfolgt klar die Ambition, Ausbildungsstandort Nr. 1 der 2. DBBL zu werden. Der entscheidende Unterschied: Junge Spielerinnen werden nicht nur eingesetzt, sondern aktiv eingebunden. Sie erhalten Verantwortung, Vertrauen – und vor allem gezieltes Coaching, das ihre Entwicklung nachhaltig fördert.“
Sportlicher Erfolg ist dabei kein Dogma, sondern ein gerne genommenes Nebenprodukt.
Für den MTV spielten,
Joanna Scheu (25 Punkte, 5 Assists), Selma Yesilova (13), Lilith Maitra (11, 7 Rebounds), Louisa Groth (6), Salma El-Haiwan (5, 4 Assists), Verena Soltau (4, 9 Rebounds), Diana Ivancic (4), Lola Stamenkovic (2), Jana Schreiner (2), Nikolina Antic, Muna Ngome Kangue, Amelie Kehrenberg
Viel Zeit zum Durchatmen bleibt nicht: am kommenden Samstag, 20.12.2025, um 17:00 Uhr empfängt der MTV den nächsten Gegner in der Sporthalle West: Lou’s Foodtruck MTV Stuttgart vs.Medikamente per Klick Bamberg Baskets. Sporthalle West, Bebelstraße 24, Stuttgart, Tip-off: 17:00 Uhr.