Es sind nicht nur die großen Ausflüge, die diese Reise so besonders machen. Es sind die vielen kleinen Momente dazwischen: das gemeinsame Frühstück, lange Gespräche beim Abendessen, ein spontaner Ausflug, ein Eis in Sirmione, der Sprung in den Gardasee, der Wind im Segel – und vor allem das Gefühl, gemeinsam unterwegs zu sein und dazuzugehören.
Ein Zuhause am Gardasee
Die Villa Dora ist für unsere Reisegruppe längst mehr als eine Unterkunft. Die liebevoll restaurierte Villa liegt unmittelbar am Gardasee und bietet in nahezu allen Zimmern eine barrierefreie Ausstattung. Für unsere Gruppe ist das ein entscheidender Faktor: Sieben Rollstuhlnutzer:innen konnten gemeinsam mit ihren Begleiter:innen und weiteren Familienmitgliedern eine Woche Urlaub verbringen, ohne dass die Barrierefreiheit ständig zur organisatorischen Herausforderung wurde.
Besonders die unmittelbare Nähe zum See macht die Villa für uns zu einem ganz besonderen Ort. Mit unserem neuen Standrollstuhl war es in diesem Jahr noch einfacher, direkt ans Wasser zu gelangen. So wurde das Baden für viele zu einem festen Bestandteil der Woche – manche gingen sogar täglich ins Wasser.
Für Benni war das ein ganz besonderer Moment:
„Mir hat in der Woche am Gardasee besonders gut gefallen, dass ich das erste Mal seit vier Jahren in einem Naturgewässer baden gehen konnte.“
Ein Satz, der vielleicht am besten beschreibt, was Barrierefreiheit bewirken kann: Sie schafft Möglichkeiten, die sonst oft fehlen – und macht Erlebnisse selbstverständlich, die für andere längst zum Urlaub dazugehören.
Gemeinsam unterwegs
Natürlich durfte auch in diesem Jahr Garda selbst nicht fehlen. Bei einem gemeinsamen Rundgang erkundeten wir den Ort, schlenderten durch die Gassen und entlang der Uferpromenade und genossen das italienische Lebensgefühl.
Ein Höhepunkt unserer Reise war die Schifffahrt nach Sirmione. Schon die Fahrt über den Gardasee war ein Erlebnis, bevor wir die Halbinsel erkundeten, ein Eis genossen und die besondere Atmosphäre des Ortes auf uns wirken ließen.
Auch der große Wochenmarkt in Garda stand wieder auf dem Programm. Sascha war besonders beeindruckt von der Größe des Marktes und dem Eis in Sirmione. Und ganz nebenbei gelang es sogar, ihn zum Handbiken zu motivieren.
Ein weiterer Höhepunkt führte uns hoch hinaus: Auf dem Monte Baldo warteten beeindruckende Ausblicke über den Gardasee und die umliegende Bergwelt.
Ahoi! Barrierefrei über den Gardasee
Für ein ganz neues Erlebnis sorgte in diesem Jahr der Segeltörn.
Marcel hatte ein barrierefreies Segelschiff der Archè Società Cooperativa Sociale organisiert. Von Riva del Garda aus stachen acht Teilnehmer:innen gemeinsam mit den großartigen Skippern Stefano und Fabiano für zweieinhalb Stunden in See.
Für viele war das Segeln Neuland und zunächst durchaus aufregend. Doch schnell überwog die Begeisterung. Gemeinsam auf dem Wasser zu sein, den See aus einer völlig neuen Perspektive zu erleben und den Alltag für ein paar Stunden hinter sich zu lassen, wurde zu einem der besonderen Erlebnisse dieser Reise.
Und beim nächsten Mal sind sich alle einig: Wir segeln am Nachmittag! Dann soll die berühmte „Ora“, der typische Wind des Gardasees, noch kräftiger in unseren Segeln zu spüren sein.
Jeder auf seine Weise – und trotzdem gemeinsam
Eine inklusive Reise bedeutet nicht, dass alle jederzeit dasselbe machen müssen. Genau das macht unsere Woche in Garda aus.
Während einige bei jedem Ausflug dabei waren, verbrachten andere lieber einen ruhigen Tag an der Villa oder am See. Manche gingen schwimmen, andere waren mit dem Handbike unterwegs oder genossen einfach die gemeinsame Zeit bei einem Kaffee.
Wichtig war nicht, dass alle dasselbe erlebten. Wichtig war, dass jede die Möglichkeit hatte, dabei zu sein.
Franzi war zum vierten Mal mit dabei und fand schnell ihren Platz in der neuen Gruppe:
„Ich habe mich von Anfang an in der Gruppe sehr wohl gefühlt und habe jede Sekunde genossen.“
Ihre persönlichen Highlights waren die Schifffahrt nach Sirmione und die Fahrt auf den Monte Baldo.
Auch Gisela nahm vor allem die Begegnungen innerhalb der Gruppe als besondere Erfahrung mit. Für sie war es beeindruckend zu erleben, wie selbstverständlich Menschen mit unterschiedlichen Voraussetzungen miteinander unterwegs sind:
„Sehr beeindruckend fand ich die Begegnung mit tollen Menschen.“
Und auch die Villa selbst hinterließ Eindruck:
„Herrlich das Haus an sich. Es wird uns sicher nicht so schnell vergönnt sein, in einer so schön restaurierten Villa am Strand eines Sees zu wohnen.“
Ein besonderer Mutmoment
Besonders berührt hat uns die Geschichte von Somaya. Sie war gemeinsam mit Nasri und ihren Kindern kurzfristig zu unserer Reisegruppe dazugestoßen. Aus einer spontanen Entscheidung wurde eine Woche voller neuer Erfahrungen.
Eine davon war für Somaya besonders wichtig: der Sprung ins Wasser.
Sie hatte sich zuvor nie getraut, im See zu schwimmen. In Garda fand sie den Mut, es auszuprobieren – und entdeckte dabei sogar ihre Freude am Schwimmen.
„Aber durch euch habe ich den Mut gefunden, schwimmen zu gehen, und sogar meine Freude am Schwimmen entdeckt.“
Dass Somaya und ihre Familie sich trotz der kurzfristigen Teilnahme so schnell als Teil der Gruppe fühlten, ist für uns ein besonders schönes Zeichen. Denn Gemeinschaft entsteht nicht dadurch, dass alle gleich sind. Sie entsteht dadurch, dass Menschen offen aufeinander zugehen.
20 Menschen, eine gemeinsame Woche
Mit dabei waren in diesem Jahr 20 Teilnehmer:innen – sieben Rollstuhlnutzer:innen mit ihren Begleiter:innen sowie Familien und Einzelreisende. Einige kannten die Villa Dora und unsere Reisen bereits, andere waren zum ersten Mal dabei. Somaya, Nasri und ihre Töchter kamen sogar ganz kurzfristig dazu.
So unterschiedlich die Menschen und ihre Bedürfnisse waren, so unterschiedlich gestalteten sie auch ihre Woche. Und trotzdem gab es viele Momente, die alle miteinander verbunden haben: die gemeinsamen Mahlzeiten, Gespräche, Ausflüge, das Baden im See und die Abende in der Villa.
Benni beschreibt dieses Gefühl besonders schön:
„…dass jederzeit irgendjemand für einen Zeit hatte, zum Reden und um schöne Dinge zu erleben.“
Vielleicht liegt genau darin das Besondere unserer Gardasee-Reisen.
Erinnerungen, die bleiben
Eine Woche geht viel zu schnell vorbei. Zurück bleiben Fotos, Geschichten und Erlebnisse – aber vor allem das Gefühl, gemeinsam etwas Besonderes erlebt zu haben.
Für Somaya sind daraus Erinnerungen geworden, die sie nicht so schnell vergessen möchte:
„Diese Reise hat mir so viele schöne und unvergessliche Erinnerungen geschenkt, die ich für immer in meinem Herzen behalten werde.“
Und ihr Wunsch für die Zukunft steht bereits fest: Sie möchte gerne wiederkommen.
Auch wir freuen uns schon auf das nächste Mal. Denn die Villa Dora ist für uns längst zu einem besonderen Ort geworden – einem Ort, an dem Urlaub für Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam möglich ist.
Ein Ort, an dem der Rollstuhl nicht bestimmt, was möglich ist.
Ein Ort, an dem Menschen sich gegenseitig Mut machen.
Und ein Ort, an dem aus einer gemeinsamen Reise Freundschaften, Erinnerungen und Vorfreude auf das nächste Jahr entstehen.