Verbandsliga, wir kommen!

Nach einer beeindruckenden Saison feiert der MTV Stuttgart I den Aufstieg. Die Basis des Erfolgs: Kampfgeist und Teamgeist. Über einen Sturz können alle lachen.

Ein Sturz beim Geräteturnen gibt eigentlich einen Punkt Abzug. Eigentlich ist das viel, da in aller Regel noch mindestens ein Haltungsfehler hinzukommt. Nicht selten entscheiden Stürze daher über Sieg und Niederlage. Eigentlich. Denn wenn der Wettkampf vorbei ist, gibt es natürlich auch keinen Abzug mehr. Und so fällt es nicht ins Gewicht, dass bei der Siegerehrung ein MTV-Turner plötzlich vom Podest fällt. Von ganz oben.

Da, ganz oben auf dem Siegerpodest, stehen die Turner des MTV Stuttgart I am Samstag nach dem Ligafinale. Sie sind am Ziel, das spätestens nach dem ersten Saisonwettkampf „Aufstieg“ hieß. Die Saison schloss der MTV als Meister ab, aufgestiegen waren die Turner dadurch aber nicht. Diese Entscheidung fällt beim Ligafinale in Wangen im Allgäu. Jeweils die zwei bestplatzierten Mannschaften aus den zwei Landesliegen kämpfen hier um den Aufstieg. Nur die beste der vier Mannschaften darf sich nächste Saison Verbandsligist nennen.

Als Janik de Brabandt am Samstag gegen 13:30 als erster MTV-Turner ans Pauschenpferd geht, liegt die Favoritenrolle klar bei den Stuttgartern. Doch die muss erstmal bestätigt werden. Am Pauschenpferd, dem Startgerät, gelingt das eindrucksvoll. Janik, Marco Richter, Samuel Weber und Alexander Belenki kommen ohne Sturz und mit starken Übungen durch. 47,85 Punkte holen die vier Turner – anders als bei den Saisonwettkämpfen, gibt es im Finale keine Streichwertung mehr. Jeder Fehler wird direkt bestraft.

Der MTV macht wenig Fehler. Vereinzelt gibt es mal einen Sturz oder eine unsaubere Landung, das Niveau der Mannschaft ist aber unfassbar hoch. Als der Wettkampfleiter um 16:01 Uhr das Ligafinale für beendet erklärt, steht das Ergebnis bereits fest: Der MTV Stuttgart I steigt in die Verbandsliga auf. 308,15 Punkte holen die Turner – der Vorsprung auf Platz 2 ist groß. Was für eine Leistung, die vor zwei Jahren noch nicht absehbar war!

2024 und 2025 hatte die Mannschaft jeweils ein Ziel: Wir wollen nicht zum Ligafinale! An den Aufstieg war nicht zu denken, es galt, die Klasse ohne Umweg über die Relegation zu halten Das gelang, wenn auch knapp. In diesem Jahr steigerte sich die Mannschaft an allen Geräten und bekam mit Fabian Geyer und Maro Richter hochkarätige Unterstützung. Im Ligafinale trat zudem Alexander Belenki für den MTV an, was die hohe Endpunktzahl mit erklärt.

Es sind aber nicht einzelne Turner, die den Erfolg ausmachen, es ist die ganze Mannschaft. Die steht am Samstag auf dem Siegerpodest (der eine Sturz erlogt verletzungsfrei) und darf im Anschluss feiern. Denn bei aller Klasse, hat sie vor allem der Teamgeist nach vorne gebracht. Und die Grundeinstellung bei jedem Wettkampf: Bis zum Schluss: kämpfen!

 

Eine alphabetische Auflistung der Mannschaft:

Alexander Belenki ...wurde von Fabi zum „D-Noten-König“ erklärt. Sein Ausgangswert am Barren betrug unglaubliche 7,5 Punkte. Holte im Ligafinale am meisten Punkte, obwohl er nur an fünf Geräten antrat.

André Boden ...kennt sich als ehemaliger Student der Luft- und Raumfahrttechnik mit dem Fliegen aus und stellte das insbesondere am Reck unter Beweis. Turnte regelmäßig Sechskampf, bis er wegen einer Schulterverletzung pausieren musste. Wurde rechtzeitig zum letzten Saisonwettkampf wieder fit und turnte, als habe es die Verletzung nie gegeben. Gemeinsam mit Jan Seidel am längsten Teil der Mannschaft. Ist mittlerweile Mannschaftsführer, der das Team zusammenhält.

Fabian Geyer ...holte nicht nur an den Ringen unfassbare Wertungen. Brachte mit seinen Übungen ein neues Level in die Mannschaft, dazu viel Erfahrung und positive Energie. Bekommt für seine Sprünge mit Höchstschwierigkeit oft weniger Abzug als andere für einen Überschlag. Ohne seine Idee, Janik vor dem Wettkampf nochmal anzurufen, wäre der wohl wirklich erst nach dem Einturnen gekommen.

Jan Seidel ...war unser Edel-Joker an den Ringen. Eigentlich war sein Einsatz am ersten Wettkampf gar nicht geplant, kurzfristig wechselte er von der Zuschauerrolle in die Turnkleidung. Kaum einer dürfte in den vergangenen zehn Jahren mehr Einsätze für den MTV gehabt haben – hoffentlich kommen noch viele dazu.

Jan-Frederik Schreyer ...wurde in dieser Saison so wenig kritisiert wie noch nie, was an der Abwesenheit seines Bruders lag. Aß weiterhin gerne Zitronenkuchen, nun auch während einem Wettkampf, an dem er selbst turnte. Das tat er richtig gut – vor allem an den Ringen und am Reck. Bekam für die Art und Weise, wie er am Reck seine Übung aufgebaut hatte, einen Rüffel vom Kampfrichter. Gut war die Übung trotzdem und brachte wichtige Punkte für den Aufstieg ein. Ebenso sein Einsatz im Ligafinale.

Janik de Brabandt ...hatte zu Beginn große Probleme beim Abmelden, steigerte sich im Saisonverlauf aber enorm. Turnte seine Übungen konstant auf hohem Niveau. Kam am Pauschenpferd ohne Sturz durch, an den Ringen fehlten meist nur wenige Grad zum gültigen Kreuzhang. Auch am Barren immer mit starker Übung. Verzichtete ab und zu unfreiwillig auf einen großen Teil der Einturnzeit.

Jannis Schuckert ...turnte immer zwei Geräte - und das auf sehr hohem Niveau. Ob am Boden oder Sprung: Er sammelte fliegend viele Punkte. Zeigte einen gehockten Doppelsalto rückwärts am Boden, gefühlt geht da noch mehr. Seine Salti und Schrauben sind sehr sicher, sein Handstand im Vergleich fast schon ein Hochrisiko-Element. Seinen Kasamatsu am Sprung steht er normal super – sofern André das richtige Brett hinstellt.

Lukas Windisch ...hatte den weitesten Anfahrtsweg zu den Wettkämpfen, der sich bei ihm immer lohnte. Holte viele wichtige Punke an verschiedenen Geräten. Zeigte seine Übung am Pauschenpferd sehr konstant mit wenig Abzug.

Marco Richter ...holte bei einem Wettkampf die meisten Punkte, obwohl er nur an fünf Geräten antrat. Stürzte im Ligafinale zum Glück nur beim Einturnen. Turnte seine Bodenübung so schnell, dass die Kampfrichter garantiert nicht alles abziehen konnten. Wobei: Abzuziehen gab es sowieso kaum was, dafür war er einfach zu gut.

Mike Fischer ...war, ist und bleibt der lauteste Motivator in der Turnhalle und damit enorm wichtig für die Mannschaft. Kam verletzungsbedingt nur zu einem Einsatz, trotzdem unverzichtbarer Bestandteil des Teams. Mit seiner Erfahrung hilft er vor und während der Wettkämpfe. Die Mannschaft freut sich schon auf sein Comeback in alter Stärke.

Samuel Weber ...hielt sich manchmal für zu gut bewertet, obwohl er wirklich fast abzugsfrei turnte. Verhalf zunächst der zweiten Mannschaft zum zweiten Saisonsieg, turnte dann fest in der ersten. Trat fast immer wie selbstverständlich als Sechskämpfer an und holte an allen Geräten viele Punkte.

Tim Schumacher ...lernte endlich, wie man „Janik“ schreibt. Turnte seine zehnte Saison für den MTV. Gelang seine Pauschenpferd-Übung, war das auch noch vor der Turnhalle zu hören. Turnte den ersten Saisonwettkampf in der zweiten Mannschaft, anschließend fest in der ersten. Verpasste wegen einer Verletzung leider drei Wettkämpfe. Versuchte, während der Wettkämpfe noch nicht an den Bericht zu denken – mit wechselndem Erfolg.

Vincent Cagnion ...holte im vierten Wettkampf als letzter Turner nervenstark den Sieg nach Stuttgart. Mag immer noch kein Pauschenpferd, opferte sich einmal trotzdem und holte respektable 7,65 Punkte. Seinen Tsukahara am Sprung turnte er enorm sicher. Auch an den anderen Geräten zeigte er seine Stärken und trug wesentlich zum Aufstieg bei.

 

Der MTV Stuttgart Turnen bedank sich zudem herzlich bei...

Björn Roth, der weiter alles und alle organisierte und während der Wettkämpfe mindestens fünf Jobs hatte. Gelegentlich war er zusätzlich als Kampfrichter im Einsatz. Als Trainer und Mannschaftführer der zweiten Mannschaft führte er die Turner ins Ligafinale. Genießt den Respekt und die Dankbarkeit der ganzen Turnabteilung. Hält sich bezüglich Comeback am Pauschenpferd eine Hintertür offen.

…Gunter Gruber, der für seinen Einsatz als Kampfrichter immer wieder weite Anreisen auf sich nimmt. Gibt nach dem Wettkampf wertvolles Feedback für die Turner. Ist unumstritten ein hervorragender Kampfrichter.

...Lars Neumann, der nicht nur hervorragend fotografierte, sondern in der Vergangenheit maßgeblich dazu beigetragen hat, dass der MTV die Klasse hielt.

…Martin-Liener Kling, der die Talentschule leitet und trainiert den Nachwuchs trainiert. War in der Liga als Kampfrichter dabei. Bewertete mit viel Erfahrung die D- und E-Noten. Setzt sich auch als Vereinskampfrichter für neutrales Werten ein.

...Michel Fondrier, der für die Bezirksliga als Kampfrichter im Einsatz war und in der Vergangenheit als Turner viele Punkte holte.

...Rüdiger Sommer, der die Übungen der Turner auf Video festhielt.

…Torge Köller, der erstmals als Kampfrichter in der Liga wertete. Bezeichnete seine Bewertungen selbst als „eher streng“. Sein Einsatz ist wertvoll für die ganze Abteilung, die lange auf neue Kampfrichter gewartet hatte war.

...allen Eltern der Turner, die Fahrdienste übernahmen, Kuchen backten, Brezeln beisteuerten und bei Wettkämpfen anfeuerten.

...allen anderen, die den MTV unterstützt und angefeuert haben.

 

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Foto: Lars Neumann