Oh, wie war das spannend!

Eng war’s – und am Ende dramatisch. Nach deutlicher Führung zur Pause musste der MTV Stuttgart I auswärts bei der KTV Hohenlohe III nochmal zittern. Und gewann am Ende trotzdem mit 272,30 : 271,25 Punkten. Auch, weil der letzte Turner die Nerven behielt.

Es liegt an ihm – und er weiß es. Als Vincent Cagnion zum Reck läuft, ist die Spannung auf dem Höhepunkt. Mindestens 8,40 Punkte müssen nach seiner Übung auf der Anzeigetafel stehen, um zu verhindern, dass die Aufholjagd der KTV Hohenlohe III von Erfolg gekrönt ist. Mindestens 8,40 Punkte, damit der MTV Stuttgart I als Sieger aus der Halle geht. Alle wissen: Das kann er. Aber es darf nichts schiefgehen.

Der vierte Saisonwettkampf für den MTV am vergangenen Samstag ist ein Beispiel dafür, dass im Turnen immer alles passieren kann. Positiv wie negativ. Große Rückstände können im Verlauf eines Wettkampfes aufgeholt werden, ein großer Vorsprung also ebenso schnell eingebüßt werden. Wenn man so möchte, dann liefert der Wettkampf am Samstag den endgültigen Beweis, warum das Motto der Mannschaft so wichtig ist. „Bis zum Schluss: kämpfen!“ Bis zum Schluss, das heißt vom ersten bis zum letzten Turner.

Und es geht gut los. Der MTV, der als Tabellenführer und Favorit antritt, erturnt am Boden 51,60 Punte und damit in etwa so viele wie bei den vorherigen Wettkämpfen. Mit satten 5,60 Punkten Vorsprung für den MTV Stuttgart wechseln die Mannschaften ans Pauschenpferd. Hier kommen alle fünf MTV-Turner ohne Sturz durch und bauen den Vorsprung auch dank hoher D-Noten von mindestens 3,1 Punkten weiter aus. Weil auch das dritte Gerät, die Ringe, mit 0,3 Punkten Vorsprung knapp an den MTV geht, liegen die Stuttgarter zur Pause mit acht Punkten in Führung. Die Vorentscheidung? Von wegen.

Schon nach dem vierten Gerät hat sich der Vorsprung mehr als halbiert. Zwar stürzt auf Stuttgarter Seite einzig Samuel Weber, der ansonsten einen sehr starken Sechskampf abliefert. Die ersatzgeschwächte Heimmannschaft aus Hohenlohe zeigt aber die schwereren Sprünge. Mit aus MTV-Sicht nur noch 3,35 Punkten Vorsprung geht es ans fünfte Gerät, den Barren.

Wie immer wird jede Übung bejubelt, man spürt: Es geht um was! Janik de Brabandt und Lukas Windisch legen für den MTV gut los. Dann aber stürzt Marco Richter beim Abgang unglücklich auf den Barren. Hierdurch büßt er nach einer ansonsten sehr guten Übung wertvolle Punkte ein. Trotzdem gewinnt der MTV das Gerät knapp, der Vorsprung beträgt jetzt 3,90 Punkte. Die Entscheidung, sie fällt am Reck.

Mannschaftsführer André Boden macht den Auftakt, seine Übung sitzt, er bekommt 10,25 Punkte. Dann aber stürzt erst Janik de Braband beim Überkehren, kurz darauf verliert auch Marco Richter die Reckstange aus den Händen. Aufgeben ist aber keine Option, beide turnen weiter, kämpfen um jeden Punkt. So erhält Marco trotz Sturz noch 9,95 Punkte – Schadensbegrenzung auf hohem Niveau.

Die vier Turner für Hohenlohe turnen stark, holen durchschnittlich 11,15 Punkte. Für den MTV stehen jetzt noch zwei Turner bereit. Samuel Weber erhält für seine Übung 12,05 Punkte und hält den Wettkampf damit offen.

Und dann heißt es ein letztes Mal: Auf geht’s MTV! Oder in seinem Fall: Allez les Bleues!

Vincent Cagnion, der Franzose im Team, ist der letzte MTV-Turner. Konzentriert geht er ans Gerät, zeigte seine Riesenfelgen in guter Ausführung, beim Abgang bleibt er stehen. Jubel bricht aus, aber immer noch gilt: erstmal die Wertung abwarten. Als der Liveticker endlich aktualisiert wird und der knappe Sieg feststeht, zögert Mannschaftsführer André Boden keine Sekunde. „Wir machen gleich nochmal einen Kreis“, sagt André. Und dann rufen sie alle: „Bis zum Schluss: kämpfen!“

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Ein Sieg, egal ob deutlich oder äußerst knapp, ist immer eine Mannschaftsleistung. Zu der gehören nicht nur unsere Turner, sondern auch Betreuer und Zuschauer. Der MTV Stuttgart bedankt sich bei allen für ihren großartigen Einsatz, ebenso bei den Kampfrichtern.

Vielen Dank auch an die KTV Hohenlohe für den fairen Wettkampf und das Essen am siebten Gerät.
 

Turner: André Boden, Janik de Brabandt, Vincent Cagnion, Marco Richter, Jan-Frederik Schreyer, Tim Jonas Schumacher, Jannis Schuckert, Samuel Weber, Lukas Windisch

Kampfrichter: Gunter Gruber, Björn Roth

Betreuer: Mike Fischer, Lars Neumann

Zum Ergebnis: