„Jung zu sein, sollte niemals verhindern, Minuten zu bekommen“

Edgars Ikstens über Nachwuchsentwicklung, seine ersten Eindrücke und die neue Saison

 

Mit Edgars Ikstens startet Lou’s Foodtruck MTV Stuttgart in der 2. Frauen Basketball Bundesliga mit einem neuen Headcoach in die Saison 2026/27. Der 41-jährige Lette bringt mehr als 15 Jahre Erfahrung aus dem Frauen-, Jugend- und Leistungsbasketball in Lettland und Deutschland mit und übernimmt den Posten von Cyril DaSilva. Am 17.08. beginnt er die Saisonvorbereitung mit dem Team.

Zum ersten Heimspiel wird es dann am Samstag, 26. September, um 16:30 Uhr ernst.

In der Halle West empfängt Lou’s Foodtruck MTV Stuttgart die Fans zum ersten Heimauftritt der neuen Saison. 

Vorher haben wir Edgars sechs Fragen gestellt:

Edgars, du bist neu beim MTV. Was sind deine ersten Eindrücke von Mannschaft und Verein?

Ich habe bereits mit den meisten Spielerinnen individuelle Gespräche geführt. Was mir besonders gefällt, ist ihre Offenheit. Viele wissen genau, woran sie arbeiten möchten, und sind bereit, dafür Arbeit zu investieren. Sie wollen bessere Basketballspielerinnen werden und herausfinden, wo ihre Grenzen liegen.

Auch im Verein sehe ich eine klare Richtung bei der Spielerentwicklung. Die Strukturen sind gut organisiert. Deshalb geht es für mich nicht darum, alles zu verändern, nur weil ein neuer Trainer kommt. Wir wollen auf dem aufbauen, was bereits da ist.

Besonders interessant wird für mich sein, ob wir die individuellen Ambitionen in etwas Gemeinsames verwandeln können. Selbstvertrauen entsteht durch Arbeit. Wenn die Spielerinnen konstanter werden, sich gegenseitig fordern und aufeinander verlassen können, haben wir eine gute Grundlage.

Wie soll dein Team Basketball spielen?

Offensiv wollen wir für den besten Wurf spielen – nicht einfach für den ersten verfügbaren Abschluss. Manchmal ist das ein Pass, manchmal fünf. Entscheidend ist, dass wir unseren Vorteil erkennen, gute Entscheidungen treffen und füreinander spielen.

Defensiv muss Einsatz etwas sein, auf das wir uns jeden Abend verlassen können.

Außerdem möchte ich eine taktisch flexible Mannschaft. Basketball stellt uns immer wieder vor unterschiedliche Probleme und Matchups. Nicht jeder Gegner braucht die gleiche Antwort.

Und jede Spielerin soll wissen, warum sie für die Mannschaft wichtig ist. Die Rollen werden unterschiedlich sein, aber jede Rolle zählt.

Wenn die Zuschauer nach einem Spiel sagen: „Sie spielen füreinander, sie arbeiten hart und lassen alles auf dem Feld“, dann haben wir etwas richtig gemacht.

Was bedeutet Erfolg für dich – neben Siegen?

Natürlich bin ich ehrgeizig und möchte so viele Spiele wie möglich gewinnen. Aber eine Saison lässt sich nicht allein über die Tabelle bewerten.

Wir werden deshalb auch Leistungskennzahlen und Advanced Stats nutzen. Nicht, weil Zahlen alles erklären, sondern weil sie uns helfen können zu erkennen, ob unsere Richtung stimmt.

Genauso wichtig ist die individuelle Entwicklung. Ich möchte am Saisonende sehen, dass Spielerinnen bessere Entscheidungen treffen, konstanter geworden sind, besser verteidigen oder mehr Verantwortung übernehmen.

Wir haben Ambitionen. Aber zunächst müssen wir uns das Recht verdienen, über größere Ziele zu sprechen. Wir müssen im Training besser werden, dann von Spiel zu Spiel – und sehen, wohin uns dieser Weg führt.

Welche Bedeutung hat die Nachwuchsarbeit für deine Arbeit beim MTV?

Wir wollen die Richtung fortsetzen, die der MTV bereits eingeschlagen hat: Spielerinnen entwickeln, ihnen Chancen geben und ein Umfeld schaffen, in dem sie besser werden können.

Dafür gibt es hier bereits eine sehr gute Struktur. Besonders die Möglichkeiten in der athletischen Entwicklung sind aus meiner Sicht außergewöhnlich gut.

Auch die 2. DBBL ist eine starke Entwicklungsplattform. Das Niveau fordert junge Spielerinnen und kann sie auf den nächsten Schritt vorbereiten. Gleichzeitig können zusätzliche Spielminuten in der Regionalliga sinnvoll sein, wenn eine Spielerin diese für ihre Entwicklung benötigt.

Dabei gilt für mich ein wichtiges Prinzip: Nur jung zu sein, sollte keine Minuten garantieren. Aber jung zu sein, sollte auch niemals verhindern, Minuten zu bekommen, wenn eine Spielerin dafür bereit ist.

Entwicklung muss verdient werden. Wenn eine Spielerin arbeitet und ihr aktuelles Niveau übertrifft, müssen wir ihr die nächste Herausforderung geben.

Langfristig möchte ich Spielerinnen sehen, die um Plätze in deutschen Jugendnationalmannschaften kämpfen, den Schritt an ein College oder auf ein höheres professionelles Niveau schaffen – oder wichtige Rollen in unserer eigenen Bundesliga-Mannschaft übernehmen.

Du könntest als „König des deutschen Basketballs“ eine Regel verändern. Welche wäre es?

Ich würde Vereine belohnen, die junge Spielerinnen wirklich entwickeln.

Eine Spielerin auf dem Spielberichtsbogen zu haben oder ihr zwei Minuten in einem entschiedenen Spiel zu geben, ist für mich noch keine Entwicklung.

Spielerinnen entwickeln sich durch gutes Training, Verantwortung, Fehler und echte Minuten auf dem Feld.

Wenn ein Verein dauerhaft Zeit und Ressourcen investiert und Spielerinnen auf ein höheres Niveau bringt, sollte er meiner Meinung nach auch davon profitieren.

Was sollten deine Spielerinnen über dich wissen, bevor die Saison beginnt?

Dass ich wahrscheinlich entspannter bin, als ich manchmal an der Seitenlinie aussehe.

Ich mag guten Kaffee, gutes Essen und gute Menschen – Menschen, die über sich selbst lachen können und mit denen man gute Gespräche führen kann.

In der Halle kann ich sehr fordernd sein. Aber wenn Training oder Spiel vorbei sind, dann ist es vorbei.

Ich glaube, eine Mannschaft funktioniert besser, wenn Menschen das, was sie tun, ernst nehmen können, ohne sich selbst die ganze Zeit zu ernst zu nehmen.

Jetzt beginnt die Arbeit

Mit diesen Vorstellungen startet Edgars Ikstens in seine erste Saisonvorbereitung beim MTV. Vor Mannschaft und Trainerteam liegen intensive Wochen mit vielen Trainingseinheiten, neuen Abläufen und viel gemeinsamer Arbeit.

Unser neuer Headcoach: Edgars Ikstens
Unser neuer Headcoach: Edgars Ikstens