Nein, gereicht hat es am Ende nicht. 231,50 Punkte und Platz 8 im STB-Ligafinale, der Relegation um den Aufstieg in die Landesliga, waren zu wenig, um am Ende tatsächlich aufzusteigen. Dabei ging es zunächst gut los. Nach drei Geräten lagen die MTV-Turner noch voll auf Kurs. Am Reck fielen mehrere Wertungen dann unglücklich gegen die Mannschaft aus, ebenso am Pauschenpferd, wo den Turnern mehrere Fehler unterliefen. Am finalen Gerät, den Ringen, konnten sie den Rückstand dann nicht mehr aufholen.
Somit wird der MTV Stuttgart II auch 2027 in der Bezirksliga antreten. Und das ist für sich genommen schon eine gute Leistung.
Zur Erinnerung: Bereits im vergangenen Jahr musste die Mannschaft in die Relegation – damals drohte aber der Abstieg in die Kreisliga, den die Turner mit einer bärenstarken Leistung im Finale gerade noch so verhindern konnten. Dass sie nur zwölf Monate später das „obere“ Finale erreichten und um den Aufstieg kämpften, zeigt die Entwicklung der Mannschaft.
Geklappt hat freilich nicht alles, wie auch, bei der jungen Mannschaft. Der Älteste ist gerade 18 geworden, der Jüngste ist zwölf. In der Ligaphase trat das Team gegen Gegner an, die gut und gerne 10 bis 15 Jahre älter sind. Doch im Turnen – gerade mit Blick auf die ganze Saison – ist nicht nur entscheidend, keine Fehler zu machen. Mindestens so wichtig ist, wie man als Turner auf Fehler und Rückschläge reagiert. Hervorzuheben ist zum einen die ganze Mannschaft, die beispielsweise im ersten Wettkampf zur Pause mit rund drei Punkten zurücklag – und am Ende mit drei Punkten Vorsprung gewann.
Zum anderen sind es die einzelnen Turner, die diese Mannschaft ausmachen. Dass Nick Zimmermann seinen ersten Tsukahara am Sprung nicht stehen konnte, war gerade mit Blick auf seine Trainingssprünge ärgerlich. Umso besser war, dass er ihn im darauffolgenden Wettkampf perfekt in den Stand turnte. Oder Larry Phiphia, der seine Wertung am Reck in fast jeden Wettkampf steigerte. Jan Krockenberger, der bis auf das Ligafinale immer Sechskampf turnte und stets über 60 Punkte holte. Jannis Hanselmann, der im Laufe der Saison plötzlich das Rauswandern in seiner Pauschenpferd-Übung zeigte (und auf der Fahrt zum Ligafinale noch Mathe lernen musste). Damian Kraft, der zwar lieber nicht als erster Turner ans Gerät wollte, aber auch das mit wenig Abzug meisterte (und sich im Finale über seine sehr starke Bodenübung freute). Len Barthel, der zwar nie Sechskampf turnte, aber an fast allen Geräten bereitstand, wenn er gebraucht wurde (was immer der Fall war). Ben Dürr, der die Mannschaft nicht nur mit Einsätzen am Boden verstärkte. Jacob Maier, der Pauschenpferd turnte, obwohl das die wenigsten wollen (und der seinen Trainer im Training wegen einer perfekten Schere-rückwärts beinahe sprachlos machte). Caspar Schoner, der nicht nur im Ligafinale einen sehr guten Tsukahara turnte und der an vielen Geräten starke Leistungen zeigte. Mio Schillings, der erst seit wenigen Monaten turnt und außer Konkurrenz bereits erste Liga-Luft schnuppern durfte. Und Björn Roth, der als Trainer und Mannschaftsführer maßgeblich für den Erfolg verantwortlich ist.
Insgesamt bestritten die Turner während der Saison vier Wettkämpfe, dreimal holten sie die Punkte nach Stuttgart. In der Abschlusstabelle vor dem Ligafinale bedeutet das Platz 2. Bekamen sie bei den ersten beiden Wettkämpfen noch Unterstützung von je einem Turner aus der ersten Mannschaft, gewannen sie den dritten ohne Hilfe von „oben“. Und das, obwohl hin und wieder Leistungsträger krankheitsbedingt ausfielen.
Die Ergebnisse: meistens knapp und damit hochspannend. Erst im letzten Saisonwettkampf bekam die Mannschaft von einer starken WKG Turnteam Ostalb II ihre Grenzen aufgezeigt. Die Leistung schmälern soll das nicht, vielmehr Motivation und Ansporn sein. Spätestens wenn der Frust über das Finale erstmal abgeschüttelt ist, geht der Blick wieder nach oben. Denn nächste Saison, das ist bei diesem jungen Team sicher, ist noch mehr möglich. Dafür braucht es im Training Vollgas – und im Wettkampf die Grundtugend des MTV Stuttgart Turnen: Bis zum Schluss: kämpfen!