Basketball 2. Bundesliga: Aller Anfang ist schwer

Lou’s Foodtruck MTV Stuttgart startet mit 59:77 gegen Würzburg in die neue Saison – neu formiertes Team zeigt nach der Pause die gewünschte Reaktion und feiert zwei Nachwuchsdebüts. Für den neu formierten MTV war die Partie dabei vor allem eine erste Standortbestimmung. Vier Spielerinnen aus der letztjährigen Startformation stehen nicht mehr zur Verfügung – Rollen, Abläufe und Hierarchien müssen sich neu entwickeln. Gleichzeitig gab es in der Sporthalle West zwei besondere Premieren: Die 14-jährige Merjem „Mimi“ Hodzic und die 15-jährige Soraya Zouaoui kamen bereits früh zu ihrem Debüt in der 2. DBBL.

DER STECKBRIEF DES SPIELS: Guter Start, dann übernimmt Würzburg

 

Endstand59:77 (14:25, 11:19, 17:17, 17:16)
Zuschauer120
Topscorer MTVLouisa Groth  13 Punkte
Topscorer WürzburgJohanna Michel 25 Punkte
MTV-BestleistungenJoanna Scheu 12 Pkt., 4 Assists; Salma El-Haiwan 9 Pkt.; Hannah Dereje 8 Reb.
Würzburg-BestleistungenElina Timoschenko 19 Pkt., 9 Reb., 7 Ass.; Kathleen Hill 11 Pkt., 4 Reb., 3 Ass.
ReboundsMTV 48 vs.Würzburg 47
AssistsMTV 12 vs.Würzburg 21
 
WurfquoteMTV 27 % vs. Würzburg 45 %
DreierquoteMTV 20 % vs. Würzburg 38 %

 

Der MTV erwischte den besseren Start und führte nach gut drei Minuten 8:4. Dann folgte jedoch ein 9:0-Lauf der Gäste. Würzburg gewann das erste Viertel mit 25:14 und blieb auch im zweiten Abschnitt das effizientere Team.
 

Während Stuttgart nur schwer Konstanz in seine Offensive bekam, trafen die Sharks hochprozentig. Zur Halbzeit lag Würzburg 44:25 vorne.

Auch statistisch zeigt sich das Bild: Stuttgart holte 48 Rebounds und damit sogar einen mehr als die Gäste, darunter 20 Offensiv-Rebounds. Bei der Wurfquote lag Würzburg mit 45 Prozent allerdings deutlich vor dem MTV mit 27 Prozent. Auch von außen waren die Sharks mit 38 zu 20 Prozent erfolgreicher.

 

„Das ist die Mannschaft, an der wir arbeiten“

Nach der Pause kam der MTV mit einer anderen Körpersprache zurück. Das dritte Viertel endete 17:17, im Schlussabschnitt hatte Stuttgart mit 17:16 sogar die Nase vorn. Der Rückstand war zu diesem Zeitpunkt allerdings bereits zu groß. Für Neucoach Edgars Ikstens war diese Reaktion dennoch ein wichtiger Fingerzeig. „Die Niederlage spricht für sich. Ich will mich deshalb nicht lange damit beschäftigen. Was ich im dritten und vierten Viertel gesehen habe – den Kampf, das Zurückkommen, Ballbesitz für Ballbesitz – das ist die Mannschaft, die ich sehen will. Und genau an dieser Mannschaft arbeiten wir.“

Der neue Headcoach macht dabei nicht allein die Wurfquote für den Rückstand verantwortlich. Entscheidend seien die Entscheidungen innerhalb der einzelnen Ballbesitze gewesen.

„Wir hatten gute Würfe. Das war nicht das Problem. Aber zu viele Ballbesitze endeten mit schlechter Wurfauswahl. Und das hat uns auf der anderen Seite wehgetan.“

 

Dereje: „Teamchemie lässt das Spiel mühelos aussehen“

Eine neu zusammengestellte Mannschaft braucht vor allem eines: Zeit. Hannah Dereje, die erstmals in Europa und beim MTV spielt, sieht dabei einen Unterschied zu ihrer College-Zeit.

„Hier ist es körperlicher, und die Teamchemie spielt eine noch größere Rolle. Ansonsten sind Tempo und Strategie durchaus vergleichbar.“

Was Teamchemie auf dem Feld bedeutet, beschreibt die US-Amerikanerin sehr konkret: den freien Shooter im richtigen Moment finden, Missmatches erkennen, miteinander kommunizieren und die beste Entscheidung für das Team treffen.

„Wenn die Teamchemie stimmt, sieht das Spiel irgendwann mühelos aus.“ Genau dahin will die neu formierte MTV-Mannschaft kommen.

 

Groth: „Nicht auf dem Level, das diese Liga benötigt“

Auch Louisa Groth, mit 13 Punkten beste Stuttgarter Werferin, sieht vor allem in der Verteidigung Arbeit vor dem Team. „Wir konnten unsere Leistung heute nicht auf den Platz bringen – in der Offense und in der Defense. Besonders defensiv waren wir nicht auf dem Level, das diese Liga benötigt.“

Die Antwort darauf ist für Groth klar: „Wir müssen im Training an unseren Defiziten arbeiten und uns auf die nächsten Spiele konzentrieren.“

 

Zwei Debüts, die für die Zukunft stehen

Für einen besonderen Moment sorgten die beiden jüngsten Spielerinnen des MTV. Die erst 14-jährige Merjem „Mimi“ Hodzic und die 15-jährige Soraya Zouaoui wurden früh eingewechselt.

Für Hodzic wurde der erste Einsatz im Erwachsenenbereich zu einem Erlebnis, das sie so schnell nicht vergessen dürfte – inklusive eigener Punkte.

„Ich hatte gemischte Gefühle aus Aufregung und Vorfreude. Ich finde es cool vom Trainer, dass er mir eine Chance gegeben hat, obwohl ich erst 14 bin. Ich habe mich sehr darüber gefreut, getroffen zu haben.“

Ihr Ziel ist bereits klar: „Ich werde weiter dafür arbeiten, bei den Damen spielen zu dürfen.“

 

Der Blick geht nach vorne

Die Niederlage zum Auftakt ist damit zugleich der Ausgangspunkt für den nächsten Entwicklungsschritt. Vier Starterinnen des Vorjahres fehlen, ein neuer Trainer arbeitet mit einer neu zusammengestellten Gruppe – und gleichzeitig stehen die nächsten Talente bereits auf dem Parkett.

Hannah Dereje blickt deshalb trotz des misslungenen Starts optimistisch nach vorne:

„Es macht sehr viel Spaß, im Ausland zu spielen. Ich bin dankbar, dass ich den Sport, den ich liebe, mit tollen Menschen machen kann. Auch wenn dieses Spiel nicht nach Plan gelaufen ist, bin ich zuversichtlich, dass wir im weiteren Saisonverlauf einen Schritt nach vorne machen werden.“

Auch Ikstens richtet den Blick konsequent nach vorne:

„Das ist unsere gemeinsame Verantwortung, es besser zu machen. Unser Fokus liegt nach vorne, nicht zurück. Das nächste Spiel kommt – und unsere Aufgabe ist es, dafür bereit zu sein.“

Aller Anfang ist schwer. Für den neu formierten MTV beginnt die eigentliche Arbeit jetzt.

Hannah Dereje erlebt die Körperlichkeit des Zweitligabasketballs
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Salma El-Haiwan geht voran
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Mimi Hodzic mit ihren ersten Punkten
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Edgars Ikstens im Dialog mit Katara Lischka
Edgars Ikstens im Dialog mit Katara Lischka © Justas Sirtautas
Harter Fight für die MTV Spielerinnen
Harter Fight für die MTV Spielerinnen © Justas Sirtautas